#5 Begegnung mit Flindt (update am 15.Okt.2018)

Ich halte meinen Blick starr geradeaus gerichtet und wundere mich nur zum Teil, dass Conny mit mir Schritt halten kann, obwohl ich doch recht schnell gehe. Es wundert mich, dass er sich nicht wieder in Luft auflöst und dann an einer unverhofften Stelle einfach so wieder auftaucht- Natürlich würde es mich nicht verwundern, wenn Conny eine Gestalt aus Fleisch und Blut wäre… Fleisch und Blut… Das erinnert mich an die monströsen Taten, von denen er sprach.
Was, wenn ich da in etwas hinein gezogen werde, was mir letztlich das Leben kosten könnte? Oder mich um den Verstand bringt? Das ist ja doch das einzige, was ich so zu bieten hab… ein bisschen etwas Grips im Kopf oder zu mindest die Möglichkeit, meine mir zur Verfügung stehenden Worte auf diese Weise gut für mich einzusetzen weiss… in der Not. Wenn ich wirklich schlau wäre, dann wäre ich sicher auch verdammt reich.
Wir bogen auf die Mecklenburgstrasse ab und ich hab noch immer Kopfweh. Ich sehe Flindt grinsen und er sieht tatsächlich aus, wie eine Mischung aus Buratino und Poppey, wenn er da so mit langen Schritten neben mir her geht und auf den Boden achtet, keine Insekten zu zertreten mit seinen langen Füßen…
„Das ist nett von dir, dass du das denkst.“, sagt er.
„Du kannst also tatsächlich meine Gedanken lesen?“, fragte ich ihn in Gedanken zurück, was praktisch war, da mich auf diese Art niemand für verrückt halten würde, wenn ich Selbstgespräche führe… Obwohl ich ja auch ein Headsett als Alibi aufsetzen könnte… so ein Schickes, wie es die Manager haben… „Ja, das wäre auch etwas… Abgesehen davon finde ich es sehr praktisch. Du wirst es noch sehen, warum, ich habe eine Idee, aber dazu brauch ich deine volle Aufmerksamkeit!“ (- Hier hab ICH, Anna, aber gar keine Ahnung mehr, was ich eigentlich schreiben wollte??? Headset? Gute Idee? Warum denn das? Wahrscheinlich sollte ich es streichen… aber das hebe ich mir für den zweiten Entwurf auf.)
„Ja, verstehe, was du meinst.“, dachte ich zurück und hatte keine Ahnung, worauf er hinaus wollte… (Hab ich tatsächlich nicht :-D)
Er blieb stehen und hielt mich mit seinem langen Arm an der Schulter fest und ich dachte noch, dass es sicher komisch für die Leute um mich herum ausgesehen haben mochte, wie ich mich quasi selbst zum Stehen bringe, als er sich in seiner vollen Größe vor mir aufbaute:
„Du scheinst den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben, Kleiner. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für dich eine Ausnahmesituation ist, wer bekommt schon alle Tage Besuch von einem Geist oder so etwas. Aber um ehrlich zu sein: Für mich ist es auch nicht gerade einfach, denn meine Anwesenheit hier bedeutet, dass ich an einem anderen Ort gestorben bin. Verstehst du das wenigstens? Ich bin tot und gestorben, vielleicht schon irgendwo in einer Wurst in der Kühlabteilung eines Supermarktes.“ Er wurde ganz still und für einen Moment wusste ich nicht, ob ich stehenbleiben oder weitergehen sollte. Ein bedrückendes Schweigen breitete sich zwischen uns aus. Ich wollte etwas sagen… etwas zum Trost vielleicht… Als er erneut ansetzte:
„Es ist egal, was mit mir ist.“, sagte er leise. „Wir müssen als erstes sehen, ob die Kleine (A.d.R. Name?) noch lebt. Ob ein anderer meinen Job erledigt hat, oder den Auftrag dazu, verstehst du? Vielleicht haben wir noch eine Chance, sie zu retten.“
„Warum ist sie dir so wichtig denn? Wenn ich dich richtig verstanden hab, hast du schon eine Menge Leute auf dem Gewissen und sicher bist du nicht mit allen so sehr sanft umgegangen, stimts´? Also warum?“
„Vielleicht habe ich das Gefühl, so meine Legionärs- Ehre wieder herstellen zu können. Etwas wieder gut zu machen. Ich hab mich blenden lassen, Fehler gemacht, Remo, dem falschen Stern gefolgt. Aber der Bienenkönigin ist es so schwer, etwas abzuschlagen. Sie ist so rafiniert… und so wunderschön. Ihre Tochter ist ein Monster, dumm und dreist, wenn du mich fragst. Aber sie selbst hat Klasse.“
Ich empfand das erste Mal so etwas wie Mitgefühl für diesen Riesen, der sprichwörtlich aus heiterem Himmel in mein Leben fiel. Vielleicht ist es so ein Männerding, wenn es um Ehre geht, vielleicht hab ich auch nur versucht, einiges, was ich aus meinem eigenen Leben mit Schuld belud, wieder gut zu machen. Aber in diesem Moment war ich wild entschlossen, Cornelius Flindt zu helfen, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, zu James Bond zu mutieren… obwohl die Verlockung recht groß war. Für einen Moment sah ich mich selbst mit Sonnenbrille, Trenchcoat und Headset an einer Ecke stehen, unauffällig Leute beschattend.
„Wo wohnt die Kleine? Sollen wir dort als erstes nachsehen?“
Ein Lächeln schimmerte flüchtig über Flindts Gesicht. Aber es war kein spöttisches. Als mir einfiehl, dass er meine Gedanken ja verstehen konnte, errötete ich. Aber er sagte nur, dass es eine gute Idee sei und ich hörte noch etwas aus seiner Stimme… Dankbarkeit?
Im Nachhinein betrachtet empfinde ich etwas Scham angesichts meiner Naivität. Ich hatte wirklich eine unglaublich blauäugige Vorstellung von meiner zukünftigen Aufgabe als Superdetektiv. Das Leben ist ja nicht so, wie in meinen Geschichten. Hätte ich auch nur die leiseste Ahnung gehabt, wie bald ich mich sollte prügeln müssen, wie weh das tun würde und wie recht Nolk behalten sollte, glauben Sie mir, ich wäre hoch gefahren in die Flämmingklinik, auf den Sachsenberg, wie meine Mutter es immer nannte. Ja, gerade aus hoch mit der Linie Eins bis zur Endhaltestelle, geradewegs in die Psychiartie… Station 5 und ich hätte um viele Medikamente gebeten und gewartet, bis alles an mir vorbei gezogen wäre. Aber im Nachhinein ist man immer Schlauer, nicht war? Vielleicht wäre es auch anders ausgegangen, wenn ich etwas mehr trainiert hätte… oder überhaupt etwas Sport getrieben. Ich hatte keine Ahnung, war zu pummelig für meine Körpergröße und litt an einiger Überschätzung meiner Talente (mit denen man ja wuchern sollte, oder? Darum nickte ich nur stumm.
Wir gingen jetzt wieder schnellen Schrittes auf den Marienplatz zu. Genau wie Flindt heftete ich meine Blicke auf den Boulevard vor mir, um nicht auf etwas zu treten, was in Flindts Augen zu wertvoll war, um als Matsch unter meinen Füßen zu kleben. Zu meinem Erstaunen bemerkte ich, welch beruhigende Wirkung dieser meditative Fußgängerblick hatte. (A.d.R.: Hier macht sich wieder eine Tür auf… in der weiteren folge nur noch S.K. Tür genannt. Es macht riesigen Spaß, ein wenig mehr von S.K. Technik zu begreifen…)
An der Ecke zur Schmiedestrasse stand Nolk, ein blinder, alter Strassenmusikant… Ich hätte ihn beinahe umgerannt, weil ich so bemüht damit war… mehr auf Flindt achtete.
>>Das hier ist komisch beschrieben, vielleicht ein wenig zu viel Cliffhanger? Jadenfalls muss hier noch herein, dass Flindt Remo von Little Miss Perfekt erzählt, Remo dazu zwingt, sich ihren Namen aufzuschreiben und wo sie wohnt, damit Remo es weiß, auch wenn Flindt nicht in der Nähe ist, da sie beide ja nicht wissen, wie stabil ihre Verschränkung ist.<<
„Nette Begleitung, die du da hast, Remo. Magst du uns nicht vorstellen?“, sagte Nolk. Wir kannten uns ja schon sehr lange und ich hatte immer die Ahnung, dass er nur so tut, als würde er nicht sehen können, um mehr Geld zu bekommen. Er war klein und fast genau so breit, wie hoch. Seine Hände steckten in Wollhandschuhen, an denen die Finger fehlten (auch im Sommer? Ist es Sommer ? ) und er rollte mit den Augen, dass einem vom Anschauen schon ganz schwindlig werden konnte… Prima Show, dachte ich oft. Wir waren auf eine entfernte Art miteinander verbunden seit meinem ersten Liebeskummer. Es war vielleicht 4 Jahre her und ich war am Boden zerstört. (Ja, ich bin ein Spätentwickler) Farian Nolkenberg hatte es erkannt, trotzdem er völlig blind zu sein schien und er hat mich eingeladen, seine halb leere Flasche Rotwein mit ihm zu teilen, wahrscheinlich nicht ohne Hintergedanken. Ich schütte ihm mein ganzes Herz aus und da ich ein großes Herz hab, reichte der Abend kaum aus und wir gingen uns noch weitere drei Flaschen Rotwein kaufen (natürlich bezahlte ich!), oben im Rewe am Obotritenring, neben der Tankstelle. Die wäre mir aber zu teuer gewesen. Wir schlenderten mit unserer Beute zum Alten Friedhof hinauf, Nolk hatte sich bei mir untergehakt, und lehnten uns an den Grabstein von * (Anm.d.R.: noch ermitteln… *gg) Wir quatschten und soffen, bis es wieder hell wurde und mein Liebeskummer verschwunden war. Seit her habe ich das Gefühl, Nolk etwas schuldig zu sein.
„Was meinst du, Nolk?“ fragte ich und kramte in meiner Jackentasche, um einnige lose Euros hervor zu holen. Ich dachte, darauf wollte er hinaus. „Na, den langen Kerl da, der neben dir steht! Magst du uns nicht vorstellen? Oder bin ich dir etwa wiedermal peinlich?“
„Ich hab keine Zeit für deine Fisimatenten, Nolk! Ich bin allein hier.“ Flindt sah erstaunt von mir zum Strassenmusikanten, der noch immer mit den Augen rollte. Ich warf ihm zwei lose Zwei- Euro- Münzen in seinen Hut und dachte: ´Komm, Flindt.`, als würde ich mir Sorgen machen müssen, dass er sich plötzlich wieder dünne macht.
„Der lange Kerl wird dir viel Unheil bringen, Remo Lens!“, rief der Strassenmusikant uns nach und ich bekam eine Gänsehaut, drehte mich aber nicht noch einmal um. „Du wirst dich an einem finsteren Ort wiederfinden, allein und von Gott verlassen im Dreck liegend, hörst du!!! Kein schöner Tot…“
Ich spürte wie sich in meinem Nacken alle Häärchen aufstellten und die Leute um uns her zu glotzen anfingen und so war ich froh, als wir in die Goethestrasse abbogen. Eine Strassenbahn fuhr mit lautem Gebimmel an uns vorbei. Wusste Schwerin eigentlich, dass es für ein so wundervoll romantischen Städtchen schon scheiß- laut war?
Wir gehen vorbei an der Schloßpension und am Rockpalast. Berti steht mit verschränkten Armen vor der Tür und nickt mir stumm zu. Er schaut etwas finster, was mir lieber ist, als hätte er etwas gesagt. Das wäre zu viel für mich gewesen heute. Ich bin manchmal Abends im Rockpalast, auch wenn ich dort ziemlich fehl am Platz wirke. (Anm.d.R: Reihenfolge ändern, zuerst kommt der Rockpalast, wenn man vom Mariner aus runter geht zum Platz der Jugend)
Wir sind da und meine Hände zittern, als ich den Schlüssel ins Schlüsselloch stecken will. Ich bin mir nicht sicher, ob es von der alkoholschweren Nacht oder der Anwesenheit dieses Hühnen, der da hinter mit steht und mir auf die Finger sieht, herkommt. Ich fühlte mich Elend.

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